Crailsheim: Autokorso-Verbot halbe PresseenteDer Pressesprecher der Polizei-Direktion Schwäbisch Hall, Hans Ulrich Stuiber, hatte am Wochenende alle Hände voll zu tun: Medienanfragen aus ganz Deutschland. Blöd nur: Das angeblich deutschlandweit erste Autokorsoverbot in Crailsheim entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Medien-Hype.
Das Fernsehen war da, zwei Dutzend Redaktionen meldeten sich am Samstag und Sonntag bei Stuiber. Grund der Nachfragen: Die Südwestpresse Ulm veröffentlichte am Freitag im Crailsheimer Lokalteil einen ersten Artikel, dem am Samstag ein zweiter folgte. Überschrift: “‘Da hört der Spaß auf” - Oberbürgermeister Raab zieht Notbremse: Keine Korsos mehr’“. Die Bild-Zeitung in Stuttgart griff das Thema auf – so nahm die kurzfristige Medienkarriere des Crailsheimer Korsoverbots ihren Lauf. Leider ist nicht arg viel dran, wie sich bei einer Nachfrage von BZ Online herausstellte.
Denn Crailsheims Oberbürgermeister Andreas Raab hat lediglich durch eine verkehrsrechtliche Anordnung die Innenstadt für motorisiert jubelnde Fußballfans gesperrt. „Das gab es auch schon während der Weltmeisterschaft“, sagt Raab. „In meiner Not habe ich schon damals die Bude dicht machen lassen. Da ist es mir auch wurst, was manche deswegen von mir halten. Wer in der Innenstadt feiern will, soll sein Auto abstellen und zu Fuß gehen.“
Mit dieser Maßnahme steht der Crailsheim OB nicht allein. Von Waldshut-Tiengen über Nürnberg bis Berlin machen die Behörden derzeit von dieser Möglichkeit Gebrauch. Von einem generellen Korsoverbot – und schon gar nicht vom bundesweit ersten – kann also nicht die Rede sein. Die Anordnung des Crailsheimer Oberbürgermeisters spart der Polizei im Übrigen Arbeit. Der städtische Bauhof stellt Absperrböcke, -balken und „Durchfahrt verboten“-Schilder auf. Die Polizei leiten die Autos dann auf Straßen ab, auf denen Korsos weiter erlaubt sind. „Das ist gar kein Problem“, sagt Ruiter, die „Leute wollen ja hauptsächlich fahren und Flagge zeigen“.
Aktiv geworden ist Crailsheims Oberbürgermeister nach dem es nach den Viertelfinalspielen Russland gegen Schweden und Deutschland gegen Portugal zu gefährlichen Szenen gekommen war – schreibt jedenfalls die Südwestpresse Online. Und das stimmt. Sagt auch die Polizei.
Von unserem Redakteur Peter DischQuelle:
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